Längst wissen alle alles über die ökologischen Probleme ...

"Längst wissen alle alles über die ökologischen Probleme, und die vorausgesagten Klima- und Umweltkatastrophen treffen tatsächlich ein."

So beginnt der Umschlagtext des Buches KLIMAWECHSEL - VON DER FOSSILEN ZUR SOLAREN KULTUR von Carl Amery und Hermann Scheer. Die Autoren wurden hierfür mit dem Buchpreis "Lesen für die Umwelt" 2002 der Deutschen Umweltstiftung ausgezeichnet.
  Wenn also alle Bescheid wissen, sich aber trotzdem nichts ändert: Woran liegt es? Was muss passieren, damit die vorhandenen Blockaden überwunden werden? Im folgenden der Versuch einer Bilanz der sehr lesenswerten Diskussion, die die Autoren darüber führen.

Der Kulturwandel zu einer ökologischen Gesellschaft

  • Ökologisch engagierte Menschen müssen den Dialog mit anderen gesellschaftlich engagierten Gruppen führen, um zu verdeutlichen, dass Gerechtigkeit, Freiheit und Solidarität nur möglich sind, wenn als Basis die natürlichen Lebensgrundlagen bewahrt werden. Umgekehrt muss Ökologie auf gesellschaftliche Grundwerte bezogen sein und darf nicht als Selbstzweck diskutiert werden.
  • In den Schulen ist es wichtig, Ökologie nicht als isoliertes Thema, sondern durch eine entsprechend geänderte Perspektive in den 'normalen' Fächern zu vermitteln.
  • Ökologie darf nicht als Beschränkung, sondern muss als Auslöser für neue ästhetische Konzepte begriffen werden, wie es Beispiele umgebungsangepasster Solararchitektur zeigen. Gerade weil die Sprache durch Beliebigkeit ihren Kommunikationswert eingebüßt hat, nimmt die Bedeutung bildhafter Ästhetik zu.
  • Dezentrale solare Energiequellen wirken kulturprägend, und zwar wirkungsvoller als Verhaltensappelle. Wer vom Energie-Konsumenten zum Energie-Erzeuger wird, verändert seine persönlichen Verhaltensweisen, begreift Energie als werthaltig.
  • Für die Landwirtschaft ist ein neues Leitbild nötig, in dem sie nicht mehr Restgröße, sondern unersetzbare Basis für eine nachhaltige, regionalisierte Nahrungs-, Energie- und Rohstoffwirtschaft ist.
  • Globalisierung ist ökologisch verträglich möglich: Freier Handel ja, aber nicht für fertige Produkte, sondern nur für Ideen. Ein möglichst großer Anteil der Produktion muss im kulturellen Lebensraum der Konsumierenden stattfinden.
  • Ökologisch engagierte Menschen tun gut daran, ihr Anliegen nachhaltig und eindeutig zu vertreten. Aus Anerkennungs- oder Harmoniebedürfnis die wirtschaftliche Sichtweise und den Sprachgebrauch derer zu übernehmen, die von unökologischen Strukturen profitieren, führt Ökologie ins Abseits.

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