Terrorbekämpfung und Klimaschutz
Seit dem 11. September 2001 wird das Thema Klimaschutz in der Öffentlichkeit kaum noch wahrgenommen. Die Ergebnisse der Klimakonferenz in Marrakesch rangierten in den Nachrichten weit hinten - obwohl beides durchaus zusammenhängt.
Jesse Mugambi, ein Afrikaner aus Kenia, schrieb schon vor dem 11. September: "Wie kann Frieden und Sicherheit in einer Welt garantiert werden, in der 20% der Weltbevölkerung 80% der Verschmutzung der Erde verursachen und 80% des Reichtums der Welt kontrollieren. Dieses Ungleichgewicht ist, vielleicht stärker als jeder andere Faktor, die größte Bedrohung für den Weltfrieden und die Sicherheit." Vorher hat er erinnert: "Der jüngste Bericht des zwischenstaatlichen Ausschusses über den Klimawandel (IPCC) bestätigt, dass die Industrialisierung ein direkter Grund der globalen Erwärmung war und ist und dass die am nachteiligsten betroffene Region Afrika ist. Die ausgedehnten Dürren in Ostafrika und die Überschwemmungen in Mosambik, Malawi und Sambia, welche Millionen von Leuten aus ihrer Heimat verdrängten und ihr Eigentum zerstörten, sind Beispiele dieser nachteiligen Konsequenzen." (1)
Ob der Hass der Terroristen aus Saudiarabien auch etwas zu tun hat mit der Art, wie die USA bzw. die OECD-Länder sich ihren Zugriff auf die Erdölreserven der arabischen Halbinsel sichern? Und ob die Art, wie Präsident Bush aus dem Kyoto-Vertrag ausgestiegen ist und damit, denke ich, weitere Zehntausende in Afrika und anderswo zum Verlust ihrer Habe, oft sogar ihres Lebens verurteilt hat, - ob sie nicht mehr wecken kann als nur ohnmächtige Wut? Der 11. September hat ja gezeigt, dass diese ohnmächtige Wut nicht so ohnmächtig ist. Klimaschutz ist nicht ein Luxus, den man sich leisten kann, wenn der Terror ausgerottet und die Sicherheit garantiert ist, sondern auch eine Bedingung für diese Sicherheit.
Mugambi weist auch auf die historische Mitschuld der christlichen Kirchen hin und sucht nach einer "kritischen Distanz" zwischen Kirche und Staat, in der sie nicht die herrschenden Systeme "durch ihren ´Segen´ legitimieren". Der Weltrat der Kirchen und viele Christen in den USA, in Europa und an anderem Ort haben sich intensiv für den Klimaschutz eingesetzt. Aber jetzt sind sie gefordert, die Ursachen von Terror und Terrorgefahr beim Namen zu nennen und die Öffentlichkeit und die Politik nicht aus der Verantwortung für den Klimaschutz zu entlassen.
Mugambi weist auch auf die historische Mitschuld der christlichen Kirchen hin und sucht nach einer "kritischen Distanz" zwischen Kirche und Staat, in der sie nicht die herrschenden Systeme "durch ihren ´Segen´ legitimieren". Der Weltrat der Kirchen und viele Christen in den USA, in Europa und an anderem Ort haben sich intensiv für den Klimaschutz eingesetzt. Aber jetzt sind sie gefordert, die Ursachen von Terror und Terrorgefahr beim Namen zu nennen und die Öffentlichkeit und die Politik nicht aus der Verantwortung für den Klimaschutz zu entlassen.
U. Denkhaus
(aus: FORUM, Kirchliches Umweltmagazin 64, 1|2002)
(aus: FORUM, Kirchliches Umweltmagazin 64, 1|2002)
(1) Jesse Mugambi, Globale Erwärmung - eine afrikanische Perspektive, in: Klimawandel, eine Herausforderung an die Kirchen in Europa, Oktober 2001, ed.: europäisches christliches umweltnetzwerk ecen · Koalition zum Klimawandel (Kontakt: R. Noll, 0041/22 791 6227; rud@wcc-coe.org; www.ecen.org)
