In der einen Welt verantwortlich leben
(Aus dem Ratsbericht der EKD-Synode 2002)
Schöpfung bewahren - Verantwortung für kommende Generationen tragen
Erstens: Die Aufgabe der Bewahrung der Schöpfung, der Erhaltung der Lebensgrundlagen auf dieser Erde für zukünftige Generationen ist eine Grundbedingung, ohne deren Erfüllung kein Gemeinwesen auf Dauer existieren kann. Aber unsere westlichen Gesellschaften gründen ihren Wohlstand nach wie vor darauf, dass sie die Reichtümer der Erde über ein verträgliches Maß hinaus in Anspruch nehmen. Wenn es schon nicht gelingt, die Grundbedürfnisse der gegenwärtigen Generation weltweit zu befriedigen, so haben wir erst recht kein politisches Sensorium entwickelt, um die Risiken, die unsere Lebensweise vor allem für zukünftige Generationen mit sich bringt, bei unseren heutigen Entscheidungen angemessen zu berücksichtigen. Nicht alle diese Entscheidungen können dem Markt überlassen werden, und es ist auch keine Lösung, sie einfach zu vertagen. Die Lage ist zu ernst, als dass es Sinn macht, um 10 Cent mehr oder weniger Ökosteuer oder die Einführung eines Dosenpfandes endlose politische und juristische Streitigkeiten anzuzetteln.
Zweitens: Gerechtigkeit und Fairness im globalen Maßstab können auf dem Konsumniveau der Dienstleistungs- und Industriegesellschaften im Norden nicht erreicht werden. Verbesserte Technik und effizientere Nutzung von Ressourcen haben eher flankierenden Charakter gegenüber den eigentlich wichtigen Veränderungen, die vor uns liegen: Gerechtigkeit, hat Bundespräsident Johannes Rau einmal gesagt, verlangt in einer begrenzten Welt nicht in erster Linie zu lernen, mehr zu geben, sondern weniger zu nehmen. Dieser Impuls zielt auf eine lebensdienliche Ethik. Sie zu größerer Wirkung zu bringen, nötigt zu einem kritischen Umgang mit solchen Werten, die für die Gestaltung der Gesellschaft in hohem Maß plausibel weil erfolgversprechend klingen: Flexibilität, Anpassung, Durchsetzungsvermögen, Wachstum. Im Verfolgen dieser Werte gerät unsere Gesellschaft jedoch in Sachzwänge, denen sie nicht entkommt. Denn eigentlich müsste, wenn das Wohl aller - auch kommender Generationen - bedacht würde, genau das eingeschränkt werden, was zur Ankurbelung der Wirtschaft und zur Ablenkung von Unzufriedenheit gebraucht wird: der Konsum.
Drittens: Es muss gelingen, das "Zeitalter der Pilotprojekte" zu verlassen und das Ziel "nachhaltige Entwicklung" in allen Bereichen kirchlichen Lebens, in den Gemeinden und Einrichtungen fest zu verankern. Das vom Rat der EKD unterstützte Wittenberger Memorandum "Nachhaltigkeit als Aufgabe der Kirchen" hat gezeigt, dass in den Kirchen an vielen Stellen wertvolle und wichtige Ansätze vorhanden sind. Die dürfen aber nicht bloß das Werk einer engagierten Minderheit kirchlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleiben, die in ihren Einrichtungen bisweilen als unbequeme Außenseiter wahrgenommen werden. Als Beispiele für Aktivitäten, die weiter entwickelt werden müssen, will ich hier nur nennen: das ökumenische Projekt zum "Kirchlichen Umweltmanagement", Initiativen für nachhaltige Lebensstile in Klöstern und Kommunitäten und die Förderung des Fairen Handels.
