Arbeitszeit ist Lebenszeit
Arbeitszeit mitgestalten, nicht nur von ihr bestimmt werden
"Du kannst dein Leben nicht aufschieben!"
Wenn ein Betriebsseelsorger davon erzählt, "... dass man sein Leben nicht verschieben und nicht arbeiten kann wie ein Kranker, um dann als Gesunder in Rente zu
gehen, da kriegen vor allem die Angestellten und die Manager große Augen". So berichtete Publik Forum im Juli 2002 in einem Artikel.
Seitdem habe ich mit etlichen Mitmenschen am Arbeitsplatz und im Bekanntenkreis über diese schlichte und doch so einleuchtend formulierte These diskutiert. Das Echo war eindeutig: Wer sich nicht selbst betroffen fühlen musste, kannte aus eigenem Erleben genug Beispiele. Es bleibt die Frage nach den Ursachen und Wirkungen.
Seitdem habe ich mit etlichen Mitmenschen am Arbeitsplatz und im Bekanntenkreis über diese schlichte und doch so einleuchtend formulierte These diskutiert. Das Echo war eindeutig: Wer sich nicht selbst betroffen fühlen musste, kannte aus eigenem Erleben genug Beispiele. Es bleibt die Frage nach den Ursachen und Wirkungen.
Topmanager als Arbeits-Eremiten
Topmanager mit dynamischer Karriere wechseln heutzutage alle 3 bis 5 Jahre zu einem anderen Unternehmen. Denn schließlich eilt die Sache, weil der Gipfel spätestens mit 45 bis 50 Jahren erreicht sein muss. Je nach dem Verlauf der Geschicke kann die Verweilzeit in einem Unternehmen auch kürzer ausfallen, sei es rechtzeitig aus eigenem Instinkt oder durch mehrere ungünstige Quartalszahlen.
Also ziehen die Top-Leute der Führungsetage meist gar nicht mehr erst mit ihren Familien an den Ort ihrer Wirkungsstätte, sondern führen wochentags ein Leben als Arbeits-Eremit. Die Folgen sind fatal: Sekretariate, Planungsstäbe und Scharen von 'Fußvolk' geraten in den Sog von Arbeitszeiten bis weit in den späten Abend. Und wenn genug Menschen aus Karrierestreben und/oder Angst um ihren Job dabei mitmachen, ist plötzlich eine neue 'Unternehmenskultur' entstanden.
Also ziehen die Top-Leute der Führungsetage meist gar nicht mehr erst mit ihren Familien an den Ort ihrer Wirkungsstätte, sondern führen wochentags ein Leben als Arbeits-Eremit. Die Folgen sind fatal: Sekretariate, Planungsstäbe und Scharen von 'Fußvolk' geraten in den Sog von Arbeitszeiten bis weit in den späten Abend. Und wenn genug Menschen aus Karrierestreben und/oder Angst um ihren Job dabei mitmachen, ist plötzlich eine neue 'Unternehmenskultur' entstanden.
Wenn Arbeit soziale Kontakte beschädigt
Wer der Führungsetage als Arbeits-Eremit nacheifert, stellt früher oder später fest, dass soziale Kontakte dadurch beschädigt werden. Was anfangs von den Mitmenschen noch als
'Arbeitsstress' mitfühlend bedauert wird, führt irgendwann zu Entfremdung und
Unverständnis.
Von dort ist es nur noch ein Schritt bis zu der Lebenslüge, den Zustand des Arbeits-Eremiten halt noch eine bestimmte Anzahl von Jahren durchzustehen, um mit dem erworbenen materiellen Wohlstand endlich auch Zeit-Wohlstand genießen zu können. Die Gestaltungs-Möglichkeiten hierzu können dann aber durch die Sucht nach immer neuen Statussymbolen, stressbedingte Gesundheitsschäden oder den Verlust sozialer Bindungen bereits dauerhaft verloren gegangen sein.
Von dort ist es nur noch ein Schritt bis zu der Lebenslüge, den Zustand des Arbeits-Eremiten halt noch eine bestimmte Anzahl von Jahren durchzustehen, um mit dem erworbenen materiellen Wohlstand endlich auch Zeit-Wohlstand genießen zu können. Die Gestaltungs-Möglichkeiten hierzu können dann aber durch die Sucht nach immer neuen Statussymbolen, stressbedingte Gesundheitsschäden oder den Verlust sozialer Bindungen bereits dauerhaft verloren gegangen sein.
Arbeitszeit als Lebenszeit mitgestalten
Das Gemeinwesen eines Staates ist mehr als ein Unternehmen. Menschen, die ihr 'Leben nach der Arbeit' en bloc auf die Zukunft verschieben, sehen gesellschaftliche Fragestellungen zunehmend nur noch auf die materielle Betrachtungsweise ihrer Arbeitgeber reduziert und wählen dadurch für sich die gesellschaftliche Selbstentmündigung.
Dass hierdurch im Ergebnis zusätzlicher Druck auf die Erwerbstätigen entsteht, Überforderungen durch die Fixierung auf Arbeit zu begegnen, liegt auf der Hand. Arbeitszeit als Lebenszeit mitzugestalten, liegt somit nicht nur im Eigeninteresse des einzelnen Menschen, sondern ist mindestens genauso wichtig, um ein solidarisches Gemeinwesen bewahren zu können.
Dass hierdurch im Ergebnis zusätzlicher Druck auf die Erwerbstätigen entsteht, Überforderungen durch die Fixierung auf Arbeit zu begegnen, liegt auf der Hand. Arbeitszeit als Lebenszeit mitzugestalten, liegt somit nicht nur im Eigeninteresse des einzelnen Menschen, sondern ist mindestens genauso wichtig, um ein solidarisches Gemeinwesen bewahren zu können.
